Vernissage

„Fast Food“ im Eck

Von Kunst verstehe ich ein bisschen was. Ich habe ein wenig Wissen, das ich mir im Verlauf einiger Vernissagen, Ausstellungsbesuche und in Eigenrecherche angeeignet habe. Ich gehe gerne auf Vernissagen eher kleinerer Galerien, weil es dort etwas übersichtlicher als in großen Museen ist. Dabei lausche ich den Gesprächen der vermeintlichen Kenner, ohne mich einzumischen, und bilde mir hinterher eine Meinung. Dazu gibt es meistens Schnittchen und Sekt. Danach habe ich also auch gegessen und getrunken.
Meistens sind auf Vernissagen auch hübsche Mädels, die sich für den Abend in Schale werfen. Sie halten das Sektglas gekonnt, tragen kurze Röckchen oder Kleidchen und schwarze oder hautfarbene Feinstrumpfhosen und wissen sofort, in welche Kamera sie lächeln müssen, wenn sich ihnen Fotografen nähern. Ihr Zahnpastalächeln könnte ja am nächsten Tag in der Zeitung stehen oder noch in derselben Nacht im Netz zu bewundern sein. Neben ihnen stehen in der Regel Männer in schwarzen Rollkragenpullovern oder weißen Hemden aus der „Slim Line“, die keine Ahnung von dem haben, was sie gerade gesehen haben sollten, aber irgendjemanden kennen, der den Künstler kennt.

Neulich war es anders.
Vielleicht lag es am Künstler. Martin Kröger ist ein Aktionskünstler, der im öffentlichen Raum und weniger in Galerien und Museen ausstellt. Mit seinem „Gedenken an den Südbahnhof“ am Rande der Stadt wurde er auch außerhalb der Stadt bekannt. Kurz vor dessen Abriss baute er auf dem Bahnhofsplatz eine Modelleisenbahn auf und ließ dort so viele Züge fahren, wie stündlich den Bahnhof anfuhren. Es war ein kalter Märzsonntag, so daß sich nur ein paar Sympathistanten einfanden. Seine aktuelle Ausstellung, die ein halbes Jahr nach dem Abriss eröffnet wurde, in der Galerie „Unseretwegen“, trug den Titel „Abfallwirtschaft“.
Ein kleiner Raum, der früher ein Schreibwarengeschäft beherbergte, im Erdgeschoss eines Altbaus, der ironischerweise im Norden der Stadt lag. Vielleicht fanden deshalb nur ein paar Unentwegte dorthin, um sich mit der Systemkritik in künstlerischer Form wenigstens rhetorisch auseinanderzuesetzten.
Den Mittelpunkt bildete ein modellierter Südbahnhof, auf dem sich ein Trichter befand, der Eisenbahnwaggons, Brötchen und Barbiepuppen ausspuckte. Das Szenario war aufgebaut wie eines der Hinterglasdioramen, wie man sie noch vereinzelt an Bahnhöfen sehen kann. Rundherum gab es fünf verschiedene Themenecken, die irgendwas mit Niedergang und Verfall zu tu hatten.
Die wenigen Besucher gaben sich kenntnisreich und erkannten den Verfall der Zivilisation.

Sie stand etwas abseits des Geschehens.
Ihren hellgrauen Wollpullover mit Zopfmuster zog sie sich immer wieder über ihren Hintern, der von dunklen Shorts bedeckt war. Mir fiel sie auf, weil sie eben nicht so schick angezogen war. Als ich auf ihre dünnen Beine herabblickte, entdeckte ich eine schwarze Baumwollstrumpfhose, die sie sicherlich nicht zum ersten Mal trug. Auf den Oberschenkeln waren schon einige helle Fussel zu sehen, wie man sie nach mehrmaligen Tragen und Waschen eben zu sehen bekam. Ihre kurzen, dünnen, blonden Haare, fielen scheinbar unkoordiniert ins blasse wie schmale Gesicht, das von hellgrünen Augen wachgehalten wurde. Ihre Wangenknochen ragten ebenso hervor wie ihr Unterkiefer, der spitz zulief. Ich schätzte sie auf 22, 23 Jahre. Sie stand vor „Fast Food“, einem Werk, das vor Joseph Beuys sicherlich nicht zu einem Kunstwerk geadelt worden wäre.

grey-bw_pullover

„Es ist ugly“, gab sie mir zu verstehen, als ich nach einigen Anläufen neben ihr stand. „Man muss es nicht mögen, aber Kunst darf und und muss viel.“ Ich war einigermaßen irritiert. „Kröger will wachrütteln. Wir haben und konsumieren zu viel und wissen nicht, warum.“ Auf einmal stand sie wie ein Mahnmal vor dem Pappbecher und dem Dreck aus Luftschlangen, Konfetti und andrem Kram, der ähnlich vergessen wirkte wie die Schönheit vor mir.

Die Kunst verschwamm vor mir, weil ich nur ihre Strumpfhose sah. An den Knöcheln, wo ihre Dr. Martens aufhörten, warf sie Falten, wie sie nur Strickstrumpfhosen werfen können. Dagegen war sie auf den Knien vollkommen glatt. Wahrscheinlich stand sie schon länger so da.
„Wo ist denn Dein, äh, Begleiter?“ Wahrscheinlich lief ich nicht nur innerlich rot an. „Ich bin alleine hier.“ Ich brachte nun gar nichts mehr heraus. „Der Form halber: wer bist Du?“ „Pascal.“ Ich musste tatsächlich überlegen., so verdrehte sie mir den Kopf. „Ich heiße Nina. Du bist wohl auch alleine hier und hast von Kunst so viel Ahnung wie die ganzem Gäste hier, nech?“ Sie zog dabei ihren Pullover herunter, als ob sie sich vor mir schützen wollte. „Ich kuck halt ganze gerne.“ Etwas Originelleres fiel mir nicht ein. „Schon klar. Hinterher kannst Du über die Raumtempetatur mehr sagen als über die gezeigten Werke“. Ich wollte etwas darauf entgegnen, denn so ahnungslos, wie sie mich darstellte, war ich nicht. Aber ich konnte nicht. „Aber die Fussel meiner Strumpfhose interessieren Dich genauso!“ Sie strich sich mit ihrer rechten Hand über ihr linkes Bein. „Die sind doch auch Kunst, oder?“ Ich bewunderte mich in dem Moment für meine wiedergewonnene Schlagfertigkeit, gleichzeitig hätte ich mich auch dafür ohrfeigen können.
„So ein schönes Kompliment habe ich lange nicht bekommen!“ Musterte mich Nina anfangs kritisch, strahlte sie mich jetzt an. Ihre hellgrünen Augen glänzten im fahlen Scheinwerfer, der eher sie als das Kunstwerk beleuchtete. Zumindest bildete ich mir das ein.
„So, und jetzt gehen wir noch was essen! Ich hab Hunger!“ Ehe ich mich’s versah, nahm sich mich an der Hand, und wir standen plötzlich in einer Stimmung, die eine Voraahnung auf den kommenden Winter gab.
Doch das nahm ich nicht wahr, weil ich den Lenz in mir spürte.

October 28, 2014 at 1:04 pm Leave a comment

Hey, Mark!

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Erinnerst Du Dich noch an letzten Samstag?

Unsere Blicke streiften sich im „Volltreffer“ nicht nur einmal. Du warst mit Deinen Jungs unterwegs. Ihr wart die meiste Zeit am Kickertisch und liefertet Euch heiße Duelle. Anfangs hast Du Deine Spiele ziemlich klar gewonnen. Aber als Du mich das erste Mal erblicktest, warst Du auf einmal recht abgelenkt. Du hast danach fast jedes Spiel verloren. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie Deine Jungs „Mensch, Mark, so eine Scheiße spielst Du doch sonst nicht zusammen“ sagten und sich köstlich amüsierten. Du hast es mit Fassung getragen und mich dabei immer wieder angelächelt.

Ich bin Birgit. Ich bin das Mädel mit den dunkelbrauen, glatten langen Haaren, das ein weißes, langärmeliges Top, hellblaue Hotpants, schwarze Vans und weiße Strumpfhosen trug. Vor allem die Strumpfhose scheint Dich mächtig beeindruckt zu haben, denn immer wieder hast Du meine Beine begutachtet. Ich glaube, sie gefielen Dir ziemlich gut.
Das hat mich überrascht. Normalerweise wenden sich Männer sofort ab, wenn sie sehen, daß ich Strickstrumpfhosen trage. Meine Mädels sagen auch immer: „Mensch Birgit, die kannst Du vielleicht gerade noch im Büro, aber doch nicht am Samstag Abend tragen! Warum nicht mal eine schwarze oder hautfarbene Feinstrumpfhose? Du hast so schöne Beine!“ Aber ich friere schnell und mag Weiß als Farbe unheimlich gerne. Und es erweckt den Eindruck von Unschuld. Aber das täuscht, bei mir zumindest.

Wir Mädels sind vor Euch gegangen, weil wir noch ins „Black Sky“ zum Tanzen gegangen sind. Ich konnte nicht tanzen, weil ich nur an Dich denken musste. Mir gefiel Dein Blick auf meine Beine. Du hast dabei immer wieder so schön gelächelt. Dabei wurden Deine Grübchen so schön betont. Ich fand es toll, wie souverän Du mit Deinen Niederlagen am Kickertisch umgegangen bist.

Ich möchte Dich wiedersehen! Ich möchte, daß Du mir das Top, die Pants und die Vans ausziehst! Ich will Dich mit meinen weißen Strumpfhosenfüßen so richtig heißmachen! Und ich glaube, daß Du das auch willst.

Nächsten Samstag bin ich wieder im „Volltreffer“. Du hoffentlich auch!

October 9, 2014 at 11:41 pm Leave a comment

Typisch

Meine Freundin Antje ist eine Frostbeule. Selbst im Hochsommer friert sie schnell. Deshalb hat sie fast immer Strumpfhosen an. Meistens unter Hosen, auch wenn das Thermometer die 20-Grad-Grenze überschreitet. Röcke und Kleider trägt sie deshalb sehr selten. Dabei hat Antje wirklich schöne Beine, die sie nicht unter Hosen verstecken muss. Selbst in der Nacht kann sie darauf nicht verzichten, weil sie sonst kalte Füße bekommt. Mir gefällt das, weil es für mich kaum etwas schöneres als in Strumpfhosen gehüllte Frauenbeine gibt.
Es muss also schon sehr warm sein, dass ich ihre Beine draußen bewundern kann.
Natürlich mache fotografiere ich sie dann. Wie hier im letzten Sommer, als wir an einer Strandbar für ein „Lemon Soda“ anstanden. Das ist ein typisches Antje-Hochsommer-Bild.

Viele wollen im Sommer ihre Freundin mit sonnengebräunten Beinen sehen. Mir ist Strumpfhosenbräune an Antjes Beinen viel lieber.

November 24, 2013 at 5:17 pm Leave a comment

Bei ihm

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Ich bin ein vergessliches Mädchen. Als ich gestern Abend zu Markusgefahren bin, habe ich wieder keine Wechselwäsche mitgenommen.

Als wir heute Mittag frühstücken wollten, bemerkte ich, daß ich wieder nichts dabei hatte. Aber mein Freund kann mir zum Glück aushelfen. Er leiht mir immer eine seiner dicken Strumpfhosen, die ich dann gerne anziehe.
Daß sie mir zu groß sind, stört mich nicht. Im Gegenteil! Ich mag es, wenn sie Falten werfen und ich so bei ihm rumschlumpen kann.Wenn ich sie angezogen habe, setze ich ich mich auf den bequemenStuhl, der ein wenig verloren in seinem Wohnzimmer wirkt. Wenig später bringt er mir einen Cappuccino, und ich könnte ihn schon wieder vernaschen, wenn er mich in T-Shirt und Strumpfhosen bedient.

Meistens mache ich das auch, wenn ich ausgetrunken habe.

October 25, 2013 at 4:17 pm Leave a comment

Sonntag Nachmittag

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Sylvia liebt die kühle Jahreszeit, in der es früh dunkel wird. Wenn die Regentropfen auf die Fensterbank prasseln, die Schneeflocken tanzen oder der Nebel den Blick nach draußen verschleiert, fühlt sie sich am wohlsten.

Deshalb ist der Sonntag Sylvias Lieblingstag. Nach dem Ausschlafen zieht sie sich warm an und geht mit ihrem Hund in den benachbarten Park, wo er sich austoben kann. Wieder zurück freut sie sich, die Hose auszuziehen und nur in ihrer Strumpfhose durch die Wohnung zu laufen. Sie frühstückt ausführlich, bevor sie sich ins Wohnzimmer zurückzieht. Zuerst guckt sie sich „Die Sendung mit der Maus“ an, bevor sie sie in eines ihrer dicken Bücher versinkt. Fantasyromane sind ihre Welt, in die stundenlang eintauchen kann, während die Heizung leise Wärme ins Wohnzimmer bollert und ihr Hund zufrieden neben ihr liegt. Gedankenverloren streicht sie beim Lesen sich immer wieder über ihre weichen, bestrumpften Beine und freut sich, daß an Sonntagen nichts anderes als ein Buch und ihre warmen Strumpfhosen braucht. Gerne legt sie am Nachmittag ein kleines Nickerchen ein. Wieder wach
macht sie sich eine heiße Schokolade und liest weiter.
Bei Anbruch der Dunkelheit streift sie sich wieder ihre Hose über, zieht sich eine warme Jacke und geht mit ihrem Hund noch einmal in den Park.

October 25, 2013 at 3:53 pm Leave a comment

Der neue Hausmeister

Ort des Geschehens ist ein Abenteuerspielplatz mit angeschlossenen Räumen, der hauptsächlich von Kindern Jugendlichen aus dem Viertel besucht wird. Die Ufersiedlung ist ein Stadtteil ohne interessante Infrastruktur für Jugendliche. Deshalb wird das Gelände, das Teil eines ehemaligen Industriegebiets ist, gerne angenommen. „Die Metropole“ wird von „Die Siedler e.V.“ getragen.

Die Protagonisten:
Cengiz Demirel (23, Elektro-Installateur)
Sandra Thieme-Waldner (31, Sozialpädagogin), Julia Rohloff (23, Erzieherin), Tamara Zander (21, Berufspraktikantin)
Werner Eisenrieder (42, Vorstand und Barkeeper), Birgit „Biggy“ Reuter-Mugabe (47, Vorstand und DaF-Lehrerin), Rolf Zimmermann (55, Professor für vergleichende Literaturwissenschaften)
Jörg Waldner (36, Sandras Ehemann), Marcel Schramm (28, Julias Freund)
Hakan, Cem, Jenny, Güsin, Fatma, Darko, Kevin, Robert (Stammbesucher des ASP)

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Montag Vormittag

„Heute um 18 Uhr stellt sich der potentielle Hausmeister vor. Denkt Ihr daran?“ Werner, der Vorstand, vergaß wieder einmal anzuklopfen, bevor er das Büro betrat.
„Werner!“ Sandra, die Leiterin des Abenteuerspielplatzes, reagierte ziemlich genervt. „Wir sind im Gegensatz zu Dir nicht vergesslich!“
„Oh, Entschuldigung!“ Kaum, daß er einen Fuß in dem Raum hatte, war er auch schon wieder draußen.
„Ich hab mich gleich fertig angezogen.“ Sie stand da in ihrer braunen Strickstrumpfhose, als sie sich gerade eine Trekkinghose vom Wäschestander schnappte.

Es war Anfang Februar, und der Winter zeigte sich schon lange von seiner kalten und grauen Seite. Es war weit nach 10 Uhr, aber es wollte auch an diesem Tag nicht hell werden. Das Synonym für den typischen Montag.
„Allmählich nervt das Wetter.“
Julia nickte. „Ja, ohne Strumpfhose ist es einfach zu kalt, wenn wir die Kids da draußen unterhalten sollen. Und es wird für mich immer schwieriger, welche zu finden, die mir passen.“
„Na, Du bist ja auch ein Spezialfall“, lachte Sandra. Inzwischen sah man es der stämmigen Erzieherin an, daß sie schwanger war. Sie hatte noch vier Monate bis zu ihrem Mutterschutz vor sich.
„Ja, find mal welche, die mit dem Bauch mitwachsen, aber nicht bis unter die Achseln gehen!“
„Ich sag ja schon nix mehr.“
„Wir sollten eigentlich Strumpfhosen als Dienstkleidung gesponsert bekommen“, warf Tamara ein.
„Haha, da redet die Richtige! Du hast ja auch immer zwei an“, knallte ihr Julia an den Kopf.
„Falsch, heute sind’s drei! Die dicke hier“, und zupfte an ihr, „und zwei Feinstrumpfhosen drunter“, grinste die Angesprochene. Sie zog mit der linken Hand Pullover und T-Shirt hoch und legte damit ihren Bauch frei, als sie von ihrer Kollegin unterbrochen wurde.
„Ja, ist gut, ich glaub’s Dir schon. Hier hängen auch genug von Dir rum“, und wandte ihren Blick zum Wäscheständer, der mit Pullovern, Hosen, Socken und Strumpfhosen vollgehängt war.
„Mh, die guten gehen schon ins Geld“, stimmte Sandra zu. „Aber wir wollen uns nicht beklagen. Dafür haben wir eine großzügige Überstunden- und Urlaubsregelung. Und das vergünstigte Jobticket bekommen wir auch. Und die Waschmaschine dürfen wir auch benutzen.“
Sie zog ihren grauen Fleece-Pullover über die Hose.

„Kannst reinkommen, Werner!“
„Tschuldigung, Mädels.“
„Jaja, ist schon recht. Wärst Du nicht schwul, müssten wir befürchten, daß Du immer mit Absicht ins Büro stürzt, um kostenlos hübsche Ärsche und Brüste zu sehen.“
Wie er mit seiner ausgebeulten Jeans, dem grauen Kapuzenpulli, unrasiert und den ungekämmten Haaren im Büro stand, konnte man sich nicht vorstellen, daß er in einer angesagtesten Bars hinter der Theke stand. „Und wie war Euer Wochenende?“
Sandra erzählte gelangweilt von der Hochzeit ihrer Cousine, die anscheinend jedem kleinbürgerlichem Klischee entsprach. „Hätte ich so heiraten müssen, wäre ich spätestens nach dem ersten schlechten Spielchen abgehauen!“ Dabei rollte sie ihre großen, dunkelbraunen Augen so eindrucksvoll, daß niemand zu widersprechen wagte. Die großgewachsene Sozialpädagogin mit dem Kurzhaarschnitt war ein umgänglicher Mensch, konnte aber sehr energisch werden, wenn man ihr auf der Nase herumtanzte.
„Und Du warst wieder auf der Piste, gell?“ Werner grinste die Jüngste im Team an. „Ja, gestern bin ich erst um 9 Uhr ins Bett, weil wir noch auf eine After-Hour-Party gegangen sind.“ Mit ihren schwarz gefärbten Haaren und der nicht zu übersehenden Schminke gehörte Tamara zu den typischen jungen Frauen, die sich den Spaß am Leben nicht nehmen ließen. Der ausstehende Jeansrock und ihr schwarzer Linkin-Park-Pullover, die sie an ihrem zierlichen Körper trug, machten sie noch wenig jünger, als sie tatsächlich war. Das Lippen-Piercing, die Doc Martens und gelb-schwarz-geringelten Strumpfhosen unterstrichen ihre äußerliche Jugendlichkeit.
„Und Du hast Dich verwöhnen lassen?“ Julia schüttelte den Kopf. „Nein, wir waren mit Marcels Eltern Kinderwagen kaufen!“ In den schillerndsten Farben beschrieb sie eine Tour, die einem Horrortrip geglichen haben muss. „Sechs Stunden sind wir durch irgendwelche Geschäfte gehetzt!“ Sich in Rage redend berichtete sie noch, wie es ihr Freund gerade noch verhindern konnte, danach noch gemeinsam Essen und ins Theater zu gehen. Ihr grünen Augen wurden dabei giftgrün. Dazu gestikulierte sie so vehement, daß zwischendrin immer wieder ihre Klamotten richtete. „Scheiß Strumpfhose! Da habe ich heute ausgerechnet die erwischt, die am meisten rutscht“, fluchte sie, während sie sie mit der Hose hochzog. Trotz ihrer Schwangerschaft war sie immer noch das kleine Energiebündel, das alle mitreißen konnte. Ihre strubbeligen Locken standen nach allen Seiten. Als sie noch den Besuch ihres kleinen Neffen am Tag darauf erwähnte, war allen klar, daß die werdende Mutter am Wochenende nicht ihre Füße hochlegen konnte.
„Jetzt setz Dich erst mal hin“, besänftigte sie Werner.

„Also, heute stellt sich einer vor, der bei uns Hausmeister machen will“, lenkte Sandra auf den Anlass Werners montäglichen Besuches
„Ja“, Werner suchte hektisch in seinem Rucksack nach den Bewerbungsunterlagen, „ich glaube, der Bursche ist ganz fähig.“
„Vor allem sieht er gut aus, oder“, konnte sich Julia eine schnippische Bemerkung nicht verkneifen.
„Ich hatte bei der Vorstandssitzung auch nur eine Stimme. Nee, er hat zwar kaum Berufserfahrung, aber er hat eine Bewerbung geschrieben, die man auch beim zweiten Satz noch lesen konnte.“
„Zeig mal her!“ Sandra nahm ihm die Mappe aus der Hand. Sie blätterte darin herum. „Also gut sieht er auf alle Fälle aus! Aber ich bin ja schon verheiratet. Aber ob der zu uns passt?“ Sandra seufzte. Sie legte die Unterlagen auf den Bürotisch. Ihre Kolleginnen stürzten sich sofort darauf.
„Oh, der sieht ja wirklich süß aus“, entfuhr es Tamara.
„Oh, ein Türke. Weiß er, mit wem er es zu tun bekommt“, wollte Julia von Werner wissen.
„Ich denke schon. Biggy hat mit ihm telefoniert.“
„Okay, wenn er danach nicht umgehend abgesagt hat, ist er hart im Nehmen.“ Biggy ist für ihr energisches Eintreten für Frauenrechte bekannt und kann Machos verbal sehr schnell in Schach halten.
„Ihr müsst entschieden, ob Ihr es Euch mit ihm vorstellen könnt, weil Ihr ja den ganzen Tag mit ihm arbeitet“, beruhigte Werner.
„Aber Ihr seid beim Gespräch schon dabei, oder?“ Sandra wollte die Entscheidung nicht ohne den Vorstand treffen.
„Ja, Biggy und ich sind dabei. Rolf nicht, der kann nicht aus der Uni weg.“
„Das ist vielleicht nicht soo schlecht. Wenn er wieder zu fragen beginnt, kann das Gespräch länger dauern.“
„Geh, Sandra, jetzt sei net so bös! Er ist halt ein wenig verkopft“, verteidigte Werner den 3. Vorstand.
„Mh, ich erinnere nur an Tamaras Vorstellungsgespräch, als er sie nach ihrem Lieblings-Romanhelden gefragt hat dann zu einem Grundsatzreferat über Pippi Langstrumpf angesetzt hat.“ Jetzt mussten alle lachen.
„Eigentlich kann er nur besser als Claude sein“, seufzte Julia.
„Es tut uns immer noch leid, daß wir Euch den angetan haben“, bedauerte Werner.
„Er konnte sich halt gut ausdrücken, mehr nicht. Zupacken konnte der nicht“, schimpfte Sandra.
„Ich glaub, ich kann Euch da beruhigen. Die Zeugnisse sind wirklich sehr gut!“
„Wäre halt nicht schlecht, wenn er es auch mit den Kids kann, wenn ich dann weg ist, und bis die Neue kommt“, warf Julia ein.
„Für den bunten Mix an Kids ist er vielleicht nicht schlecht. Und mit Euch hätte er das richtige Regulativ, damit er keine Macho-Allüren entwickeln kann.“

Sie tranken noch gemeinsam einen Kaffe, bevor sich Werner verabschiedete.
„Machen wir uns ans Werk! Was steht diese Woche alles an“, eröffnete Sandra die Teambesprechung.

July 5, 2013 at 10:08 pm 1 comment

Ein Bund fürs Leben (IV)

„Autsch!“

„Das ist sicher etwas komisch Für Dich, hier niemanden zu kennen, nicht?“ Anne freute sich, gleich freundlich angesprochen zu werden. „Ja, ich habe schon ein bisschen Angst.“ „Na, jetzt geht’s vielleicht etwas leichter. Ich bin übrigens Yvonne“, stellte sich die Unbekannte aus dem Bus vor. „ich bin die Anne.“ „Jetzt siehst Du die Stufe auf einen Haufen, weil Schülersprecherwahl ist, und die Stufenbetreuer die Stundenpläne vorstellen.“
Yvonne führte die unsichere, aber etwas erleichterte Anne in die schon gut gefüllte Aula. In der Mitte waren noch ein paar Plätze frei. Yvonne blieb mit ihrem rechten Knöchel an einem Stuhl hängen. „Autsch!“ Sie hatten sich gerade hingesetzt, als Yvonne, ihren Knöchel hielt. Sie blickte dabei herab, als er es entfiel: „Mist, jetzt habe ich ‘ne fette Laufmasche!“ „Kannst Du die Strümpfe nicht ausziehen?“ „Nee, das ist ‘ne Strumpfhose“, schimpfte Yvonne. „Die kann ich hier schwer ausziehen, ohne die Phantasie der Jungs zu beflügeln.“ „Hm, stimmt. Aber vielleicht kann ich Dir helfen.“ „Kannst Du Laufmaschen reparieren? „Nein“, lachte Anne, „aber ich habe noch eine Strumpfhose in meinem Rucksack. Die müsste Dir passen.“ „Oh, das ist supi!“ Yvonnes Miene hellte sich wieder auf. „Aber warum hast Du eine Strumpfhose in Deinem Rucksack?“ „Na ja, auch wenn man es so nicht sieht, trage ich auch eine Feinstrumpfhose unter meiner Jeans.“ „Echt? Zeig!“ „Nicht hier.“ Anne wurde ein wenig rot, weil sie befürchtete, die ganze Aula könnte ihrem Gespräch zuhören. „Okay, das klären wir, wenn das Ganze hier vorbei ist. Ist halt jetzt blöd, weil ich als Sprecherin kandidiere. Hoffentlich sieht man die Laufmasche auf dem Podium nicht so sehr“, sorgte sich Yvonne.
Zwei Lehrer stellten die Kurse, ihre Zeiten und die Lehrer vor. „Ui, wir sind ja in vielen Kursen zusammen“, freute sich Anne. „Ja, das freut mich auch. Du scheinst ja wirklich ‘ne Nette zu sein.“
Die Sprecherwahl zog sich hin. 15 Schülerinnen und Schüler bewarben sich für 6 Plätze. Anne wählte nur Yvonne, weil ihr die anderen noch weniger sagten. Sie wurde auch in die Schülervertretung gewählt.

Nach gut zwei Tagen war der Schultag auch schon beendet. „Wollen wir noch einen Kaffee trinken?“ Anne wollte Yvonne noch ein wenig besser kennenlernen. „Ja, können wir gerne machen, aber wenn es Dir nichts ausmacht, möchte ich auf Dein Angebot von vorhin zurückkommen.“ „Welches?“ „Na ja, die Strumpfhose.“ „Ach so, na klar!“ „Ich mag es auch nicht, mit Laufmaschen rumzulaufen.“ Anne legte ihren Rucksack auf den Stuhl, um die Ersatz-Strumpfhose herauszuholen. „Kommst Du nicht mit?“ „Wieso?“ „Du wolltest mir doch zeigen, daß Du eine Strumpfhose unter der Jeans trägst!“ „Wenn Du meinst. Ich muss eh auch mal.“
Die beiden Schülerinnen machten sich auf den Weg in die Toilette.

June 28, 2013 at 1:56 pm 2 comments

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